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Nach dem Zweiten Weltkrieg erneuert Daimler-Benz zunächst unter schwierigen Bedingungen in einem Kraftakt seine Palette leichter und schwerer Lkw. Allerdings verlangen Handel, Handwerk und Gewerbe in der anbrechenden Zeit des so genannten Wirtschaftswunders auch zunehmend nach kompakten Nutzfahrzeugen. Deshalb präsentiert Daimler-Benz im Jahr 1955 auf der IAA seinen ersten echten Transporter, den L 319 mit 3,6 Tonnen Gesamtgewicht, 1956 geht er in Serie.
Die belastbare Technik des L 319 entspricht den Ansprüchen handfester Naturen: ein tragender Leiterrahmen für Fahrgestelle und Pritschenwagen – der Kastenwagen hat eine mittragende Konstruktion – blattgefederte starre Achsen vorne und hinten, Zwillingsbereifung an der Hinterachse und große 16-Zoll-Räder. Auffallend ist die Optik des L 319 mit der einteiligen, kühn geschwungenen Panorama-Frontscheibe und kleinen Seitenscheiben vor der A-Säule, dem ovalen Grill und der weit nach vorn gerückten Vorderachse zugunsten eines komfortablen Einstiegs.
Vorn in der Kabine arbeiten Vierzylindermotoren mit eher zurückhaltender Leistung. Anfangs steht ausschließlich der Vorkammer- Dieselmotor aus dem Pkw 180 D zur Verfügung. Er leistet 43 PS aus 1,8 Liter Hubraum. Bald darauf ergänzt der Benziner aus dem Mercedes-Benz 190 mit 1,9 Liter Hubraum und 65 PS das Programm. Die Kraftübertragung erfolgt jeweils über ein Vierganggetriebe auf die Hinterachse, der Schalthebel am Lenkrad ist fast ein früher Vorläufer des Joysticks im aktuellen Sprinter. Der Laderaum des 4,8 Meter langen Kastenwagens fasst ansehnliche 8,6 Kubikmeter Fracht.
Im Laufe seines Lebens wechselt der erste Transporter nicht nur seine Motoren, sondern auch die Bezeichnung. An die Stelle der internen Konstruktionsbezeichnung L 319 tritt 1963 die noch heute gültige Nomenklatur aus Tonnage und gerundeter Leistung in PS. So endet die Geschichte des L 319 im Jahr 1968 (in der spanischen Fabrik erst 1970) als L 408 und L 406. Bis dahin haben rund 140 000 Transporter der Baureihe das Licht der Welt erblickt, einschließlich der schmucken Omnibusse O 319/O 319 D. Nicht nur der Name, auch der Standort des Transporters wechselt: 1962 zieht der L 319 von Sindelfingen nach Düsseldorf um. Gleiches gilt für den bis dahin im Mannheim gefertigten Omnibus der Baureihe, den O 319. Das ehemalige Werk der Auto Union in Düsseldorf wird später zum Haupt-Transporterwerk von Mercedes-Benz in Deutschland.
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