Mercedes-Benz OE-Schlepper II
Mercedes-Benz LO3500
Mercedes-Benz OE-Schlepper I
Mercedes-Benz SL10
Mercedes-Benz L6500
Mercedes-Benz LO10000
Mercedes-Benz L6600
Mercedes-Benz L5000
Argentinienbus
Henschel 5B1



Es war im Herbst 1953. Ein abenteuerlich anmutendes Gefährt, das lediglich aus einem Fahrgestell mit Motor, Getriebe, Achsen und Lenkrad bestand, bewegte sich auf der Straße von Mannheim nach Fellbach. Als Sitzgelegenheit für den Fahrer diente ein aus Brettern zusammengeschraubtes und auf dem Fahrgestell befestigtes Provisorium. So wurden seinerzeit fahrbereite LKW-Fahrgestelle von Mercedes-Benz Mannheim zum Karosseriebauer überführt. Bei Wind und Wetter damals eine alltägliche Angelegenheit.

Von der Firma Vetter, eine seinerzeit anerkannte Karosseriebaufirma, zu der auch dieses Fahrgestell fuhr, wurde dann individuell nach Wunsch des Kunden ein Aufbau montiert, wie bei dem hier abgebildeten Bus.

In den folgenden Jahren ging dieser Bus durch viele Hände, versehen mit einem großen Sonnenschiebedach, Panoramascheiben im Dach und einem Dachgepäckträger, wurde der Bus lange Jahre für Reisen und Ausflugsfahrten eingesetzt. Während der Restaurierung fand man in dem Bus einige Fahrkarten, die aufzeigten, dass er unter anderem auch bei einem Reisedienst in Lörrach eingesetzt wurde.Im Laufe der Jahre verschliss die Technik zunehmend. Das schöne große Schiebeverdeck wurde undicht und durch eine Blechtafel ersetzt. Die Panoramaverglasung im Dach wurde matt und undurchsichtig. Die Sitze rissen auf. Der Holzfußboden wurde morsch und als dann auch der Motor nicht mehr lief, wurde das Fahrzeug auf einem Schrottplatz in Belgien abgestellt.Viele Jahre später im September 2003 erhielt die Veteranen Lastwagen-Werkstatt in Alfeld einen Auftrag über die Lieferung eines restaurierten Mercedes-Benz LO 3500.Durch Zufall stieß man auf den Bus, der mittlerweile lange Zeit im Freien verbracht hatte und sich in einem dementsprechend trostlosen Zustand befand. Der Bus wurde geborgen und nach Alfeld transportiert.In nahezu 2jähriger Arbeit wurde das Fahrzeug dann komplett restauriert. Man zerlegte den Aufbau, das Fahrgestell, den Motor, die Achsen und das Getriebe bis auf die letzte Schraube. Jedes Teil wurde geprüft, gereinigt neu lackiert und sorgfältig wieder zusammengebaut. Die gesamte Karosserie wurde in vielen, vielen, Stunden sandgestrahlt, repariert und neu lackiert, zeitgenössisches Leder für 24 Sitze mußte beschafft werden, neue Scheiben wurden teilweise angefertigt, alle Zierleisten wurden poliert. Instrumente mußten beschafft werden, der mittlerweile fehlende Dachgepäckträger für die Urlaubskoffer wurde neu gebaut, viele Meter Kabel für die komplette Elektrik wurden installiert. Das vor vielen Jahren eingesetzte Blech im Dach wurde entfernt, ein großes stoffbezogenes, leicht zu öffnendes Sonnenschiebedach rekonstruiert und eingebaut.Viel Mühe machten sich die Mitarbeiter der Oldtimerwerkstatt, recherchierten im Archiv, damit auch alles detailgenau wieder hergestellt werden konnte, beschafften nicht mehr vorhandene Türbeschläge, suchten nach einem Galvanikbetrieb, der in der Lage war, die vorher sorgfältig aufgearbeitete Kühlermaske zu verchromen, fanden nach vielem Suchen originale Rücklichter und „neue“ vordere Scheinwerfer, tüfftelten aus, wie die mittlerweile umgestellten Sitze bei der Auslieferung wirklich montiert waren und brauchten unendlich lange bis endlich das richtige Holz für die großflächige Innenverkleidung gefunden war.

Bei aller Sorgfalt während der Restaurierung, versäumten sie es aber nicht, die heutigen gesetzlichen Vorschriften zur Zulassung eines Omnibusses zu beachten. Heraus kam ein Bus, der in der Qualität der Restaurierung, in der Originalität und im Fahrverhalten einen Standard erreicht hat, der einzigartig ist.

Die abschließende Probefahrt bei strahlendem Sonnenschein, blauem Himmel und geöffnetem Schiebeverdeck war der Lohn für 2 Jahre aufwändige Restaurierungsarbeiten. Gleiches muß der damalige Besitzer im Frühjahr 1954 empfunden haben, als er seinen neuen Reisebus bei der Firma Vetter in Fellbach abholte.





Vor- & nach Restaurierung





Ein alter Langschnauzer wird in die Wüste geschickt

Wenn Volker Hitzer das Gaspedal durchtritt ist es, als ob der Sound des Wirtschaftswunders herüberweht aus dem Jahr 1953:
Satt und erdig und grundsolide.
Nur ein Jahr später wird Deutschland Fußballweltmeister und wer weiß, vielleicht sind Sepp Herberger und seine Männer danach in solch einem Mercedes-Benz-Bus LO 3500 durch die jubelnde Republik gefahren. Das Exemplar, das Volker Hitzer über das Firmengelände des Mercedes-Benz Classic Nutzfahrzeug Services in Alfeld steuert, hat aber nicht nur 1953 als Baujahr: Seit 2003 hat Hitzer mit seinen Kollegen den Technik-Veteranen bis auf die letzte Schraube zerlegt und wieder aufgebaut.

Auf dem Kilometerzähler steht „00002“. Noch im August wird das in rot, schwarz und Chrom funkelnde Schmuckstück ausgeliefert: Der Auftraggeber sitzt in den Vereinigten Arabischen Emiraten und zahlt den Gegenwert eines gut ausgestatteten Einfamilienhauses für seinen Traum.Denn genau so einen Bus, ein Symbol deutscher Wertarbeit wollte der Mann aus der Wüste, als er vor zwei Jahren bei Mercedes in Stuttgart nach einem LO 3500 anfragte.
Die Schwaben gaben den Wunsch weiter an die Alfelder Spezialisten, die zur DaimlerChrysler-Vetragswerkstatt Werner Dreyer gehören. Der Service für alle Mercedes-Nutzfahrzeuge, die älter als 25 Jahre sind, läuft in Alfeld zusammen, und zwar aus aller Welt. Nach langer Suche stießen die Alfelder in Luxemburg auf ein Exemplar in erbarmungswürdigem Zustand: Die Karosserie war nach Jahren im Freien bis auf die Motorhauben völlig verrottet, die Ledersitze verschlissen, das einst prachtvolle Schiebedach mit Blech zugeflickt, der Fußboden morsch und die sechs Kolben hatten sich im 100-PS-Motor schon lange nicht mehr bewegt.
Als Matthias Quintel, der im Team unter anderem für die Recherche zuständig ist, eine Menge vergessen geglaubter Informationen über nötige Ausstattungsdetails ausgegraben hatte, konnte es losgehen. Das verrottete Blech kam herunter, Motor und Lkw-Fahrwerk wurden in monatelanger Arbeit in den Neuzustand versetzt: „Alles was wir in die Hand nehmen, wird komplett repariert oder ersetzt“, beschreibt Werkstattleiter Volker Hitzer die Arbeit der fünf Spezialisten. Für ihn ist sein Job „der absolute Traumberuf“.

Seit 1994 hat der Service 15 historische Fahrzeuge komplett neu aufgearbeitet, doch der Langschnauzer LO 3500 war das aufwändigste Projekt. Die Blechkarosserie wurde von einer Spezialfirma nach alter Manier von Hand gefertigt, ebenso die Sitze wieder mit Leder bezogen. Dieses Material verbindet nun auch ganz wie im Original die Motorverkleidung mit der Karosserie. Als einer der letzten Schritte folgte in den letzten Wochen ein nagelneuer Kabelbaum, der nun auch eine Warnblinkanlage ansteuert - die hatte der Bus früher nicht. Trotz vieler Informationen war bei der Arbeit Improvisationstalent gefragt:
Die Maße der Leiterbrücke, die am Heck auf den Dachgepäckträger des Reisebusses führt, wurden von einem kleinen 1:43-Modell abgenommen und übertragen. Obwohl der Veteran bald in einer Wüstenlandschaft fährt - eine Klimaanlage als Extra für den solventen Kunden gibt es wie im Original nicht.
Stattdessen haben Hitzer und seine Kollegen aus zwei Autoschiebdächern eines für den Bus zusammengefügt. Bevor sich darin die Scheichs den Wind um die Nase wehen lassen, konnten alle Technik-Begeisterten ihn am 7.August von 11 bis 17 Uhr beim Tag der offenen Tür besichtigen. Leider wurde dieser Termin recht kurzfristig ausschließlich über die lokale Zeitung bekannt gemacht, aber bei starkem Interesse lohnt ein kurzfristiger Anruf in Alfeld sicherlich noch, bis der Wagen endgültig in die Wüste geschickt wird.

Quelle: Kehrwieder am Sonntag, 07.08.2005